Reichelsheim

Bürgerhaus/Mehrzweckhalle Reichelsheim

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Unsere Bürger und Gäste sollten sich bemühen, dieses schöne Gebäude in Ordnung zu halten, es zu schonen und seine Einrichtungen zu pflegen.
Das Reichelsheimer Bürgerhaus - eigentlich korrekterweise 'Mehrzweckhalle' genannt - wurde Ende der 1969/70 erbaut und am 19. September 1970 eingeweiht. Immer wieder wurde das Gebäude renoviert/saniert, umgebaut und umgestaltet. Auf dieser Seite schauen wir auf das Bürgerhaus und seine Entwicklung bis hin zur aktuellen Sanierung zurück.


Inhalt

Das ursprüngliche Gebäude 1970

Die Mehrzweckhalle - von den Reichelsheimern kurz 'Halle' genannt - wurde bei der Einweihung 1970 wie folgt beschrieben:
Die Mehrzweckhalle hat als zentralen und wichtigsten Raum einen Mehrzwecksaal mit einer Grundfläche von 12 x 20 Metern. Auf dessen Ostseite befindet sich eine Bühne mit vier Aufgängen (je zwei auf jeder Seite von vorne und hinten). Auf der Ostseite war ein kleinerer Saal angegliedert, der - mit verschließbarer Theke versehen - als Gaststätte genutzt wurde. Parallel zum Saal schlossen sich auf der Nordseite Schankraum, Küche, Kühlraum, Vorratsraum, Lager und Stuhllager an. Wiederum nördlich davon befand sich die Kegelbahn. Südlich der Bühne befanden sich Lager- und Umkleideräume, sowie Dusch- und Waschräume. Der Eingang zum großen Saal gliederte sich auf der südwestlichen Seite mit Garderobe und Toiletten an. Ein zusätzlicher Eingang befand sich etwas weiter neben dem Haupteingang auf der Westseite. Darüber gelangte man zur Gaststätte und zur Kegelbahn.

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Die Mehrzweckhalle 1970 kurz nach ihrer Fertigstellung.

Mit diesen Räumlichkeiten war die Mehrzweckhalle für folgende Zwecke konzipiert worden:
  • Sport
    Ausgestattet mit einem Schwingboden und ballwurfsicherer Verglasung soll er sportliche Betätigung in den verschiedensten Disziplinen dienen - für die Jugend, innerhalb der Vereine zum Trainieren, für Veranstaltungen und zum Austragen von Wettkämpfen. Durch die unmittelbare Nähe zu den Sportplätzen sollte dem gesamten Areal die Bedeutung eines Sportzentrums zukommen. Getrennte Umkleide- und Wascheinrichtungen für zwei Mannschaften, Räume für Schiedsrichter und Geräte angrenzend an die Halle waren vorhanden.

  • Versammlung und Veranstaltungen
    Ebenso dient der Mehrzwecksaal als Versammlungsraum. Bei Reihenbestuhlung konnten unter Einhaltung der damaligen Sicherheitsvorschriften 360 Personen Platz finden. Der Saal war durch eine einschwenkbare Faltwand im Verhältnis 1/3 : 2/3 teilbar, wobei der größere Teil des Saales mit Bühne nutzbar war. Beide Saalteile konnten gleichzeitig und unabhängig voneinander genutzt werden und verfügten über getrennte Eingänge aus dem Foyer. Die Bühne selbst war mit bühnentechnischen Einrichtungen wie verschiedenen Beleuchtungseinrichtungen, Spots und einer Verstärkeranlage für die Beschallung der Veranstaltungsräume ausgerüstet. An der Schmalseite war dem Saal ein gaststättenartig ausgebauter Feierraum angegliedert. Er war ebenfalls durch eine Faltwand abgetrennt und konnte zum Saal hin geöffnet werden. Bei Bedarf waren es so möglich, weitere 90 Personen bei Reihenbestuhlung setzen zu können. Für eine 'Großveranstaltung' konnte so unter Einschluss der Bühne und Stuhllagers linkerhand vor der Bühne bis zu 575 Personen Platz finden.

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    Blick in den großen Saal 1970.

  • Gaststätte
    Der kleine Saal auf der Westseite des Saales diente als Gaststätte. Er verfügte auf der Nordseite neben dem Eingang über eine Theke mit Schankraum, dem sich eine vollelektrifizierte Küche mit weiteren zugehörigen Räumen anschloss. In der damaligen Festschrift schrieben die Architekten dazu:
    'Die Kapazität der Küche und der übrigen Wirtschaftseinrichtungen wie Kühlraum, Vorratsraum und Lager kann selbst hohen Anforderungen bei großem Ansturm gerecht werden. Die Aggregate sind aus rostfreiem Edelstahl hergestellt, der Aufwand für Unterhaltung und Reinigungen deshalb auf ein Minimum reduziert. Die Zuordnung der Räume zueinander und die Anlage eines Kellnerganges ermöglichen die separate Bedienung einzelner Veranstaltungen auch dann, wenn sie nach Abtrennung der Räume gleichzeitig stattfinden. Eine Überkreuzung von Bedienungs- und Besucherwegen ist ausgeschlossen.'

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    Blick in den kleinen Saal 1970. Er erhielt später einen anderen Bodenbelag und Gaststättenmöblierung.

    1975-1977 wurde die Gaststätte von Heidi Adler betrieben. Von 1977-1990 bewirtete Klaus-Günter 'Galla' Metzner mit Familie das Bürgerhaus. Danach war Erich Prosser ab 1990 Pächter der Gaststätte. 1992-1995 bewirtete Wolfgang Hess zusammen mit Rosi Kölsch die Gäste im Bürgerhaus. Ab 1995 übernahm Rösi Kölsch die Gaststätte alleine und bewirtet sie bis zur Schließung des Bürgerhauses im Jahr 2018.


  • Kegelbahn
    Die Kegelanlage mit zwei Bundesnormen entsprechenden Scherenbahnen wurde von vielen Kegelvereinen genutzt. Der Kegelstellautomat ließ alle damaligen Spielvariationen des Kegelsports zu. Die Keglerstube hatte als zwischenmenschliche Kommunikationsstätte einen eigenen Eingang mit Vorraum und Toilettenanlagen. Sie konnte so unabhängig von den übrigen Räumen genutzt werden.

Über den Bau

Der Bau ist ein für die damalige Zeit 'moderner' Bau mit Kalksandstein-Sichtmauerwerk und natürlich profiliertem Sichtbeton. Die Hallenwände und -decke sind mit kanadischer Rotzeder verkleidet.

Das Foyer, Haupteingang für die beiden Saalteile und die Gaststätte, bildet eine Zone der Bewegung; ihm sind zugeordnet die Garderoben- und Toilettenanlagen. Bei der Gestaltung aller Innenräume ist bewusst auf die Anwendung konventioneller Effektrezepte verzichtet worden. So wie die Funktion der Zonen an der Bauwerksform klar ablesbar ist spiegelt sich im Inneren die konstruktive Hülle wider. Das in seiner natürlichen Farbe und Struktur erscheinende Kalksandstein-Sichtmauerwerk wird ebenso ehrlich gezeigt wie der Sichtbeton, der aus verarbeitungstechnischen Gründen leicht profiliert worden ist. Die Verschalung der Deckenkonstruktion aus kanadischer Rotzeder gibt den Räumen ihren typischen Charakter und ermöglicht zugleich im Saal eine blendfreie Belichtung und Querlüftung durch das Oberlichtband. Die Wandverkleidungen aus dem gleichen Material sind an markanten Stellen durch senkrechte Glasbänder aufgelöst, die bauliche Transparenz betonend. Diese Transparenz soll sich übertragen auf den Geist der Aktivität in diesem neuen Hause. Einziger Energieträger für die gesamte Halle ist Elektrizität. Besondere Tarifvereinbarungen mit dem Versorgungsunternehmen haben es ermöglicht, die Warmluftheizung des Saales mit Strom zu betreiben. Dieses bis dahin nur in Schweden, der Schweiz und den Vereinigten Staaten praktizierte Verfahren bot verzögerungslose Regeltechnik, Zukunftsbeständigkeit, niedrige Investitionskosten und hohe Wirtschaftlichkeit bei krisensicherer Betriebskostenstabilität - die für diesen Modellfall langfristig getroffenen Strombelieferungsbedingungen vorausgesetzt. Auch in anderen Räumen sind direkt beheizte Elektrokonvektoren installiert. Nur ein Teil der übrigen Räume wird durch Nachtstromspeicheröfen beheizt. Auch hier ist eine spätere Umstellung auf Direktbetrieb konzipiert. Auf der Ostseite des Gebäudes wurde deshalb eine eigene Transformatorenstation untergebracht, um den Strombedarf zu decken.


Der Umbau 1990/91

1990/91 erfolge eine erste große Umbau- und Erweiterungsmaßnahme mit Neubau der Kegelbahnen, Vergrößerung des Schankraums, Erneuerung der Heizungsanlage und neu gestaltetem Eingangsbereich mit Toiletten. Die Kosten beliefen sich auf 1,4 Millionen Euro. Anfang der 90er Jahre wurde das Bürgerhaus grundlegend umgebaut, umgestaltet, und saniert:

  • Der Garderobenbereich wurde verschlossen und die dadurch entstandenen Räume als Lagerräume für Vereine genutzt.

  • Ausbau der beiden Falttüren im großen Saal und Einbau einer festen aber beweglichen Trennwand zwischen großem und kleinem Saal.

  • Ehemalige Theke, Küche und Kegelbahn wurden entfernt, die Öffnungen zum Saal verschlossen und der gesamte Raum zuzüglich einer Erweiterung mit Fensterfront zur Nordseite, zu einer großzügigen Gaststätte mit angrenzender Küche umgebaut.

  • Auf der Nordwestseite wurde ein Foyer mit Toiletten und eine neue Kegelbahn mit Vorraum angebaut.

  • Erneuerung von Heizungsanlage, Elektrik, Beleuchtung



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Die neue Kegelbahn nach dem Umbau 1992.

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Vorraum der Kegelbahn mit Bestuhlung.

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Blick auf das Bürgerhaus 2004 mit Tennisplätzen (links) und Grundschule im Ried (oben), sowie Sportplätzen (rechts). In der Bildmitte befindet sich das 'Wäldchen'.

Die Dachsanierung 2010

Das rund 1000 Quadratmeter große Dach wurde 2010 neu eingedeckt und gedämmt. Die Kosten lagen seinerzeit bei 280.000 Euro, wobei 150.000 Euro über das Konjunkturpaket des Bundes bezuschusst. 130.000 Euro trug die Stadt Reichelsheim.

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2010 wird das Dach des Bürgerhauses gedämmt und saniert. Das Bürgerhaus bekommt eine neue Dacheindeckung.

Schließung 2018

Zum 31.August 2018 wurde das Bürgerhaus wegen grober Mängel geschlossen. Prüfungen und Untersuchungen durch den Wetteraukreis hatten unter anderem massive Brandschutzmängel aufgedeckt. Schlösser waren ausgetauscht worden und Türen blockiert. Außerdem war die Baugenehmigung des 1991 geschaffenen Anbaus nicht mehr auffindbar.
Die Brandschutzsanierung des Bürgerhauses wird nach ersten Schätzungen rund 2,4 Millionen Euro kosten. Fördermittel in Höhe von rund 1,3 Millionen Euro aus dem Investitionsprogramm der Hessenkasse sollen beantragt werden.
Das Gebäude wurde bis zu seiner Schließung vom Reichelsheimer Sportverein genutzt, aber auch von den Kindergartenkindern, die darin turnten. Wirtin Rosi Kölsch betrieb die Gaststätte 26 Jahre lang. Ebenso wurde die Kegelbahn rege von vielen Vereinen genutzt.

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Diese Grafik zeigt den Ausbaustand des Bürgerhauses 2018 vor der Schließung.

Bilder nach der Schließung 2018

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Blick auf den Eingangsbereich des Bürgerhauses.

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Eingang zur Gaststätte des Bürgerhauses.

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Foyer am Eingang zu den beiden Sälen.

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Foyer am Eingang zur Gaststätte.

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Großer Saal des Bürgerhauses.

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Kleiner Saal/Kollegraum des Bürgerhauses.

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Zustand der Toiletten im Foyer zum großen Saal.


Sanierung ab 2019

Die Stadt Reichelsheim hat am 18.Februar 2019 im Bürgerhaus Heuchelheim eine Workshop-Serie gestartet, in denen Nutzer, wie Vereine, Schulen und Kindergärten, ihre Wünsche und Anforderungen an die Mehrzweckhalle bzw. das Bürgerhaus formulieren und erarbeiten konnten. 'Das Bürgerhaus muss umfangreich saniert werden. Wir möchten es so umgestalten, dass es für die Vereine zukünftig noch besser nutzbar ist. Wir haben alle Vereine und bisherigen Nutzer angeschrieben und auch jeden Haushalt eingeladen' erklärte Bürgermeister Bischofsberger. Gute Erfahrungen mit einer solchen Bürgerwerkstatt hatte die Stadt bereits bei der Weiterentwicklung des Bürgerhauses in Weckesheim gesammelt. So wurde auch für Reichelsheim dieser Ansatz gewählt. Moderiert und fachlich begleitet wurde dieser Prozess durch das Institut für Regionalmanagement aus Gießen.

Rund 40 Bürgerinnen und Bürger, Vereinsvertreter, Vertreter der Kindergärten und Kommunalpolitik nahmen an der ersten Bürgerwerkstatt teil und brachten ihre Wünsche und Vorstellungen ein.

Die Teilnehmer hatten ganz pragmatische Ansätze, wie zum Beispiel:
  • grundlegende Beseitigung von Mängeln durch eine umfassende Sanierung von Sanitäranlagen und Technik
  • Schaffung weiterer Abstellräume
  • variablere Raumaufteilung und die stärkere Ausrichtung auf kulturelle Angebote
  • Beibehalten der Kegelbahn
  • Zukunft der Gaststätte und Schaffung eines attraktiven Außenbereiches

Bei der ersten Bürgerwerkstatt im Bürgerhaus Weckesheim konnten den Teilnehmern nach den in der Auftaktveranstaltung gesammelten Ideen bereits vier Vorschläge zur Umgestaltung des jetzigen Bürgerhauses vorgestellt werden. Diese Varianten wurden von einem Team, bestehend aus der Stadtverwaltung, dem Institut für Regionalmanagement Gießen und dem neu hinzu gekommen Architekturbüro 'bauart' aus Butzbach im Vorfeld der Bürgerwerkstatt erarbeitet.

Besonders ein Entwurf gefielt allen Teilnehmern. Er sieht ein neues Foyer gegenüber dem Sportplatz vor und verleiht dem Bürgerhaus damit einen gut sichtbaren und attraktiven Eingangsbereich. Ein neuer Kollegraum, der hinter dem jetzigen Gebäude angeordnet ist, eine modernisierte und umgestaltete Gaststätte, sowie eine attraktive Außengastronomie zeichnet diesen Vorschlag aus. Weiterhin wird in dieser Variante den großen Saal teilbar machen und ausreichend große Lagerflächen für die Vereine bieten. Viele weitere Details wurden in der Bürgerwerkstatt diskutiert, wie beispielsweise eine 'Künstlergarderobe', Sportumkleiden und -duschen oder auch die Technikräume.

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Bei der ersten Bürgerwerkstatt im Bürgerhaus Weckesheim diskutiert Stadtverordnetenvorsteherin Lena Herget mit Vereinsvertretern erste Entwürfe.
Caroline Seibert, IfR Gießen

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So soll das Reichelsheimer Bürgerhaus nach der Sanierung nach den Wünschen der Vereine und Bürger aussehen.


Downloads zu den Workshops





Quellen: Stadt Reichelsheim, Wetterauer Zeitung
Bilder: Alexander Hitz



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