RomanTisch

RomanTisch - mittendrin

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Seit 2009 veranstaltet die Frauengruppe 'mittendrin' der evangelischen Kirchengemeinde Reichelsheim die Literaturreihe 'RomanTisch'. Dabei wird meist an außergewöhnlichen Orten mit Bezug zum jeweiligen Thema gelesen und vorgetragen. Schuhhäuser, Banken, Scheunen, Feuerwehrhäuser - an all diesen Örtlichkeiten wurde schon gelesen. Getränke und Kulinarisches runden das Programm der Lesungen ab. So ist diese Lesereihe über die Jahre bis heute zu einem beliebten 'Dauerbrenner' geworden, dessen Karten im Vorverkauf meist schnell ausverkauft sind. Im April 2017 wurde der Frauengruppe 'mittendrin' von der Stadt Reichelsheim der Ehrenamtspreis 2017 für ihr Engagement um den RomanTisch verliehen.

Romantisch 2017 - Das Thema

RomanTisch-Plakat 2017

Stadtgejubel, Lutherjahr - Hessisch schwätze,wunnerbar!
9. Reichelsheimer Literaturreihe


In welcher Welt lebten die "Richolfesheimer", als Deutschland noch nicht Deutschland war? Als sie 817 das Licht der Geschichte durch eine schriftliche Erwähnung in einer Schenkungsurkunde der Abtei Fulda erblickten, herrschten die Karolinger im mächtigen Frankenreich unter Ludwig dem Frommen.

Sein Vater und Vorgänger Karl der Große (758 - 814), oft "Vater Europas" genannt, herrschte über ein Riesenreich, das er mit militärischer Gewalt vergrößerte. Jedes Frühjahr neu zog er irgendwo in die Schlacht. Es ging gegen die Langobarden, die Baiern, die Awaren und gegen die Muslime in Spanien. Weil sein fränkisches Reich ein Christliches Reich sein sollte mit getauften Untertanen, zwang er die neuen Untertanen, sich taufen zu lassen. So wurde er zum "Missionar mit der eisernen Zunge". Aber er hatte auch eine andere Seite: Unter seiner Herrschaft kam es zu einem kulturellen Aufschwung, der Sprache, Literatur, Buchwesen und Baukunst veränderte, und zu einer umfassenden Bildungsreform.

Und wie ging es in einer sich rasant verändernden Welt weiter mit den späteren Reichelsheimern? Wenn sie auch nie im Mittelpunkt standen, haben sie doch auf ihre Weise Weltgeschichte mitgestaltet, mitgetragen und ertragen. Heute gehen Nachrichten in Sekundenschnelle um den Globus. Wir können uns kaum vorstellen, wie eng die Lebenswelt der einfachen Menschen des Mittelalters war. Doch an der Schnelligkeit und Durchschlagskraft der Reformation zeigt sich, welchen Stellenwert die Religion für das soziale und politische Leben besaß. Was mit dem Thesenanschlag 1517 begann, erschütterte die Grundfesten der abendländischen Christenheit und erreichte 1532 Reichelsheim. Nicht nur Luther und seine Mitstreiter kämpften für die Sache der Reformation. Die Hoffnung auf ein selbstbestimmteres Leben ließ viele Frauen für die Erneuerung der Kirche eintreten.

Die Menschen des Mittelalters lebten auch im Alltag nicht ungefährlich. In ihren eng bebauten Dörfern fürchteten sie vor allem das Feuer. Fachwerkbauten aus Holz und Lehm - Steinbauten konnten sich nur die Reichen leisten - und die offenen Feuerstellen lösten oft Großbrände aus. Von ganzen Dörfern blieb oft nur Schutt und Asche übrig. Brandschutz war unverzichtbar und so tauchte ab dem Spätmittelalter eine neue Berufsgruppe auf: die Feuerknechte. Sie bildeten die Vorläufer unserer heutigen Feuerwehr. So kann die Reichelsheimer Feuerwehr 2017 ihr 125-jähriges Bestehen feiern. Ihr Aufgabengebiet geht mittlerweile über das Löschen von Bränden weit hinaus, gefährlich ist es immer noch. "Kerle woas Kerle" wird da so mancher Hesse bewundernd sagen. Denn was ein echter Hesse ist, der schwätzt halt Platt.

Für eine andere Weltreligion bedeutete das Jahr 1517 eine ähnliche Zäsur. In der Schlacht von Raydaniyya bei Kairo entschied sich, wer künftig über die islamische Welt herrschen sollte: Perser, Mamluken oder die Osmanen. Die Osmanen siegten nach blutigen Kämpfen, die auch in Europa Angst auslösten. Der Weg war frei, um die nordafrikanische Küste zu erobern. Die Christenheit hatte es nun mit einer Weltmacht zu tun, die bis nach Wien vorrückte und bis 1571 auch das westliche Mittelmeer beherrschte.

300 Jahre später sollte ein christlicher Herrscher Not und Schrecken bringen. Napoleon Bonaparte - erst Hoffnungsträger für Frieden und Freiheit, dann Schrecken der Menschen. Für seine Absetzung kämpften die Völker Mitteleuropas in den Befreiungskriegen 1813 - 1815. Die damit verbundenen Hoffnungen auf ein geeintes Deutschland erfüllten sich nicht. Das sind die großen historischen Wegmarken auf unserem Gang durch die Geschichte und Zeitgeschichte, zu dem die Frauen mittendrin einladen.

Info zur Lesung am 14.Juli

Dirk Husemann
Dirk Husemann, Jahrgang 1965, gräbt als Wissenschaftsjournalist und Archäologe Geschichten aus. Er studierte Ur- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie und Ethnologie in Münster und schreibt Reportagen und Sachbücher, zum Beispiel über die älteste Stadt der Welt in Syrien, die letzten Geheimnisse von Stonehenge oder Fleischdoping bei den antiken Olympischen Spielen. Sein Debütroman "Ein Elefant für Karl den Grossen" wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Mit diesem Roman führt er auch uns ausdrucksvoll in die Lebenswelt der Menschen zur Zeit der Gründung Reichelsheim ein.
Bild: Günter Blaszczyk

Veranstalterinnen

Frauen 'mittendrin'
Karin Lauer, Friedensstr. 21, 06035/189697, karin.lauer-schmaltz@gmx.de
Ulla Wagner, Eichenstr. 2, 06035/3231, ulla-wagner@gmx.de

Stadt Reichelsheim, Magistrat
Zum Rathaus 1, 06035 - 1001 0

RomanTisch-Programm 2017


Sonntag, 7. Mai: Verspottet, geachtet, geliebt - Die Frauen der Reformatoren
Eingebettet in den Gottesdienst hören Sie szenische Lesungen basierend auf dem Buch von Ursula Koch Verspottet, geachtet, geliebt. Die Frauen der Reformation treffen sich zu einem posthumen Erfahrungsaustausch, der noch heute aktuell ist. Es geht um Anfeindung, Krankheit, Selbstbestimmung, Zukunft der Kinder, aber auch Glaubenskraft, Mut und Beharrlichkeit.
Sprecherinnen: Pfarrerin Angela Schwalbe, die Frauen mittendrin, Inge Keller
Beginn 10:45 Uhr, Evangelische Laurentiuskirche, Reichelsheim
Der Eintritt ist frei, um Spenden für das Kinder-Palliativ-Team Südhessen wird gebeten

Freitag, 14. Juli: Ein Elefant für Karl den Grossen
Im Jahr 802 kämpfen Franken und Sarazenen unerbittlich um die politische und religiöse Vormachtstellung. In dieser angespannten Lage schickt der Kalif von Bagdad seinem Widersacher Karl dem Großen ein gewaltiges Geschenk als Zeichen des Friedens: einen Elefanten. Der Jude Isaak und sein sächsischer Sklave Thankmar sollen das Tier unversehrt nach Aachen bringen. Eine heikle Mission, denn die Menschen, denen sie auf ihrem langen Weg durch das Frankenreich begegnen, halten den Elefanten für eine Ausgeburt der Hölle. Sein Tod aber würde die Großreiche der Franken und der Sarazenen in einen schrecklichen Krieg stürzen.
Sprecher: Autor Dirk Husemann, Ostbevern bei Münster
Beginn: 20:00 Uhr, Neues Rathaus der Stadt Reichelsheim, Zum Rathaus 1
Eintritt: 15:00 Euro (incl. Aachener Printen und arabischer Pfefferminztee)

Sonntag, 30. Juli: Der Kaffeedieb
Am Ende des 17. Jahrhunderts verfällt Europa einer neuen Droge namens Kahve. Ganz Europa trifft sich in Kaffeehäusern und konsumiert das Getränk der Aufklärung. Und noch heute ist Kaffee das Lieblingsgetränk der Deutschen. Aber Kaffee ist teuer. Und wer ihn aus dem jemenitischen Mocha herausschmuggeln will, wird mit dem Tod bestraft, denn die Osmanen besitzen das Kaffeemonopol. Der Mann, der es trotzdem wagt, ist der junge Obediah Chalon, Spekulant, Händler und Filou. Nur ein großes Geschäft könnte ihn vor dem Ruin bewahren. Und so geht er aufs Ganze: Mit finanzieller Unterstützung der Vereinigten Ostindischen Compagnie macht er sich auf, um den Türken den Kaffee zu klauen.
Sprecher: Tom Meusert, Karben - Musiker: Julian Fahrner, Geige - Jaepyo Jong, Klavier, Frankfurt
Beginn: 15:00 Uhr, DGH Heuchelheim, Am Kirchgrund 5
Eintritt: 14,00 Euro (incl. Kaffee und Blechkuchen aus der Alten Blechwerkstatt)

Samstag, 5. August: Der Wilden Frauen Gestühl
Der Oberhessische Volksroman spielt in der Zeit 1813 - 1815 zu großen Teilen in Reichelsheim. Um sich von der französischen Vorherrschaft unter Napoleon Bonaparte zu befreien, kam es in Mitteleuropa zu heftigen kriegerischen Auseinandersetzungen: den Befreiungskriegen. Georg Schäfer entfaltet ein fulminantes Drama um den Amtsverweser Sartorius mit Intrigen, und Leid, aber auch mit Großmut, Liebe und Verzeihen. Und am Ende siegt das Gute!
Geschichtliche Einführung: Gerd Wagner, Reichelsheim - Sprecher: Andreas Arnold, Friedberg
Beginn: 20:00 Uhr, DGH Reichelsheim-Blofeld, Vogelsbergstr. 6
Eintritt: 12,00 Euro (incl. eine wilde Schweinerei) zzgl. Getränke

Sonntag, 27. August: Frauen - Glaube - Ursprung
Gottesdienst zur Eröffnung der Ausstellung mit Fotografien von Angela Jakob aus Frankfurt. Die Fotografien laden zu einem Dialog der Religionen und zum Miteinander der Kulturen ein. Ein kleiner Umtrunk beschließt den Abend.
Die Ausstellung kann bis zum 10. September besichtigt werden:
Dienstag und Donnerstag von 15:00 - 18:00 Uhr und Freitag von 19:00 - 21:00.
Die Predigt hält Pfarrerin Angela Schwalbe.
Beginn: 19:00 Uhr, Evangelische Laurentiuskirche, Reichelsheim
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Freitag, 22.September: "Mit starkem Strahl gaben die Feuerwehrmänner ihr Wasser ab."
Wer dringend Hilfe braucht, wählt die 112 - die Nummer für die Feuerwehr. Und das geschieht in den ungewöhnlichsten Situationen. So erscheint es einer alten Dame schon mal als Notfall, wenn es ihr zu warm ist und sie nicht weiß, wie man die Heizung runter dreht. Eine Familie berichtet von einer angeblich festgefrorenen Ente. Von einem Oktoberfestbesucher, der 12 Stunden in einem Kamin feststeckt, bis zu einer verletzten Frau, die im Wald zu erfrieren droht und binnen Stunden gefunden werden muss: das alles gehört zum Alltag eines Feuerwehrmannes - nicht nur Großbrände löschen.
Sprecher: Burkhard Kampschulte, Heuchelheim
Beginn: 20:00 Uhr, Feuerwehrstützpunkt Reichelsheim, Bingenheimer Str. 33
Eintritt: 16,00 Euro (incl. Feuerlöscher und Feuertopf) zzgl. Getränke

Freitag, 13. Oktober: Wetterauer Plattschwätzer
Am achten Tag erschuf Gott die Dialekte... Alle Völkchen waren glücklich! Der Hanseate sagte: "Min Dialekt is gut snacken, ne?" Der Kölner sagte: "Hey, du Jeck, mit Kölsch feiert man de Karneval!" Der Bayer sagte: "Jo mei, unser is an guader Dialekt!" Der Sachse sagte: "Ja nü, freilisch is Sächsich klosse!" Nur für den Hessen war kein Dialekt übrig. Da wurde der Hesse traurig... Irgendwann sagte Gott dann: "Reesch disch net uff, dann babbelste halt wie isch un feddisch!" - Alles klar?
Spielszene mit der Theatergruppe Traaser Schaustecker, Trais Münzenberg
Plattschwätzer aus Reichelsheim und Heuchelheim: Josef Hackenberg, Hans Richard Hitz, Inge Keller, Katja Ranft, Elli Schäfer, Hans Schmidt, Ulrich Winter
Beginn: 19:00 Uhr, Bürgerhaus Reichelsheim, Willy-Nohl-Str. 1
Eintritt: 16,00 Euro (incl. Spundekäs unn Worscht-Platt, zzgl. Getränke)

Freitag, 27. Oktober: "Iss was gar ist, trink was klar ist, red' was wahr ist"
Luther führte ein gastfreies Haus und hat bei Tisch kaum ein Thema ausgelassen. Wortgewaltig und witzig (und oft auch ziemlich deftig) hat er seine Gäste unterhalten. Ein Gastmahl mit Rezepten aus der Reformationszeit wird aufs Geschmackvollste angerichtet und mit einer Auswahl seiner Tischreden vervollkommnet!
Sprecher: Markus Karger, Glauburg
Beginn: 19:00 Uhr, DGH Reichelsheim-Heuchelheim, Im Kirchgrund 5
Eintritt: 28,00 Euro (incl. Gastmahl vom BL-Catering, Büdingen) zzgl. Getränke



Da das Platzangebot begrenzt ist, holen Sie sich unbedingt Eintrittskarten!
Karten erhalten Sie ab Freitag, 16. Juni 2017 bei: 'neun zieht an', Bingenheimer Str. 21, Reichelsheim, Tel. 06035/3359




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