Wetterau

Die Wetterau - Kornkammer Hessens

Reichelsheim liegt mitten im Herzen der "goldenen Wetterau". Der Name "goldene Wetterau" erklärt sich beim Blick auf nachfolgende Bilder, die durch goldgelb leuchtenden Getreidefelder bestechen. Die Wetterau ist eine äußerst fruchtbare Ebene - sie wird auch "Kornkammer Hessens" genannt. Sie ist im Osten durch den Vogelsberg, im Westen durch den Taunus, im Norden durch die Stadt Gießen und im Süden durch Frankfurt am Main geographisch begrenzt. Viele Flüsse und Bäche, die im Vogelsberg und im Taunus entspringen, fließen durch die Auenlandschaft. Ob der Fluss "Wetter" nun der Wetterau ihren Namen gab, oder ob er von der Bezeichnung "weite Au" kommen könnte, ist umstritten. Die Wetter entspringt am Rande des Vogelsberges bei Laubach und mündet bei Niddatal-Assenheim in die Nidda. Aber nicht nur die Wetter fließt durch die Wetterau. Horloff, Nidda, Usa, Nidder, Hillersbach usw. heißen die vielen Flüsschen, die aus dem Vogelsberg und dem Taunus kommen, zusammenfließen und bei Frankfurt-Höchst mit der Nidda in den Main münden.

Goldene Wetterau
"Goldene Wetterau" - Ein Getreidefeld in der Morgensonne.

Durch das ausgesprochen milde Klima, besonders fruchtbare Böden und ein weitverzweigtes Gewässernetz ließen sich vor Jahrtausenden schon Menschen hier nieder. Die Wetterau ist eine der ältesten Kulturlandschaften Deutschlands und wird schon im Jahre 779 im Lorscher Codex (handschriftliches Kopialbuch) urkundlich erwähnt. Auch durchquerte der römische Limes (UNESCO Weltkulturerbe) zweimal das heutige Kreisgebiet. Von der Kapersburg oberhalb von Rosbach bis nach Butzbach im Westen und von Inheiden bis Altenstadt zieht er sich -teilweise heute noch erhalten- durch die Wetterauer Landschaft.

Wetterau
Blick von einer Anhöhe bei Wölfersheim über die Wetterau Richtung Vogelsberg.

Der Wetteraukreis

Wappen Wetteraukreis
Politisch gesehen zieht sich der "Wetteraukreis" im Westen bis Butzbach-Bodenrod, im Osten bis Burgbracht (bei Hitzkirchen), im Norden bis Stornfels und im Süden bis nach Bad Vilbel. Kreisstadt ist Friedberg/Hessen, hier ist auch Sitz des Landratsamtes. Der Wetteraukreis ist einer von 21 hessischen Landkreisen, gehört zum Regierungsbezirk Darmstadt und wurde 1972 durch den Zusammenschluss der Kreise Büdingen und Friedberg gebildet. Der Wetteraukreis hat eine Fläche von 1.100,69 qkm, über 60.000 Hektar werden landwirtschaftlich genutzt. 25 Städte und Gemeinden gehören mit ca. 300.000 Einwohnern zum Wetteraukreis. Die Mittelzentren des Landkreises sind Bad Nauheim (rd. 30.000 Einwohner), Bad Vilbel (rd. 30.000 Einwohner), Büdingen (rd. 21.000 Einwohner), Butzbach (rd. 25.000 Einwohner), Friedberg (rd. 27.000 Einwohner) und Nidda (rd. 18.000 Einwohner). Mehr über den Wetteraukreis im Internet unter http://www.wetteraukreis.de.

Die Kreisstadt Friedberg

Burg in Friedberg
Friedberg ist die Kreisstadt des Wetteraukreises. Aus Richtung Frankfurt kommend durchquert man Friedberg über die Kaiserstraße und kommt dabei an deren südlichem Ende am Landratsamt des Wetteraukreises vorbei. Die Kaiserstraße ist als "Einkaufsmeile" bekannt und bietet mit vielen traditionsreichen Geschäften ein vielfältiges Einkaufsangebot. Am Ende der Kaiserstraße schließt sich die Burg Friedberg an, deren "Adolfsturm" (Bild) zum Wahrzeichen Friedbergs geworden ist. Die gut erhaltene Badeanlage in der Burg ist ein karger Überrest eines römischen Kastells und Lagerdorfs, das sich vom Ende des ersten bis zur Mitte des dritten Jahrhunderts n. Chr. über das Gebiet der Burg und Altstadt erstreckte. Adolfsturm und Liebfrauenkirche prägen bis heute die Stadtansicht. Friedberg liegt an der Main-Weser-Bahn und bietet mit seinem großen Bahnhof gute Zugverbindungen in alle Richtungen. 1850 rollte der erste Zug über das Rosentalviadukt -im Volksmund "24 Hallen" genannt- in den Friedberger Bahnhof. Regelmäßig verkehren von hier aus Züge, S-Bahnen und Regionalbahnen in Richtung Frankfurt, Gießen, Marburg, Friedrichsdorf, Nidda und Hanau. Berühmtheit weltweit erlangte Friedberg und auch das benachbarte Bad Nauheim Ende der 50er Jahre, als der "King of Rock'n Roll" Elvis Presley in der Kaserne der Army stationiert wurde und hier seinen Wehrdienst ableistete. Im Herzen der Altstadt, im ehemaligen jüdischen Getto, verbirgt sich ein Bauwerk von nationalem Rang, das Judenbad, eine 25m tiefe Schachtanlage aus der Zeit nach 1260. Im Wetterau-Museum findet man große Ausstellungen zur Geschichte der Wetterauer Landschaft.

Autobahnen

Autobahn A45
Durchquert wird die Wetterau von der BAB45. In Fortsetzung der von Wetzlar und Gießen kommenden Strecke werden Stadt und Burgruine Münzenberg von der Trasse im Osten umgangen und sodann der Wohnbacher Gemeindewald durchquert. Zwischen Wölfersheim und Berstadt verläuft die A 45 durch das ehemalige Braunkohlenrevier Wölfersheim, wobei der nicht abgebaute Rücken zwischen den Bruchfeldern (dem früheren Abbau unter Tage) und dem Tagebau als Zwangspunkt festgelegt wurde. Nach Kreuzung des Horlofftals, in dem geologische Schwierigkeiten zu überwinden waren, wird das große Waldgebiet westlich des Wannkopfs durchfahren (Bild links) und schließlich das Niddatal erreicht. Zwischen Staden und Nieder-Mockstadt geht die Autobahn nach Überwindung der Wasserscheide in das Tal der Nidder über und führt weiter in Richtung Hanau.

Autobahn A5
Eine weitere stark befahrene Autobahn durchquert die Wetterau im Westen: die BAB5. Sie ist Hauptzubringer des Verkehrs aus Norden und Osten ins Rhein-Main-Gebiet. Im Norden der Wetterau kreuzen sich nördlich des Münzenberger Stadtteils Gambach die BAB5 und die BAB45 (Gambacher Kreuz). Von hier aus schlängelt sich die BAB5 entlang des Taunus und den Städten Butzbach, Bad Nauheim und Friedberg bis Bad Homburg und weiter in Richtung Frankfurt.

Bahnlinien

Niddabrücke bei Assenheim
Auch mit der Bahn kann man die Wetterau gut erreichen. Durch die westlich gelegenen Städte Butzbach, Bad Nauheim, Friedberg, Karben und Bad Vilbel zieht sich der Streckenabschnitt Gießen-Frankfurt der Main-Weser-Bahn. Nördlich des Friedberger Bahnhofs überquert die Bahnstrecke das Usatal über das 16m hohe Rosental-Viadukt, das im Volksmund aufgrund der Bauweise den Namen "Die 24 Hallen" trägt.  Von Friedberg aus führen Bahnstrecken nach Friedrichsdorf, Nidda (Horlofftalbahn) und Hanau. Zwischen den Niddataler Ortsteilen Assenheim und Bönstadt überquert die Strecke Friedberg-Hanau über das äußerst fotogene Niddaviadukt (Bild) den gleichnamigen Fluss. In Bad Nauheim zweigt eine Bahnstrecke nach Münzenberg ab, die aber z.Zt. nur noch für Sonderfahrten durch die Eisenbahnfreunde Wetterau genutzt wird. Regelmäßig verkehren hier Sonderzüge zwischen Bad Nauheim und Münzenberg. Durch die östliche Wetterau zieht sich die Lahn-Kinzig-Bahn von Gießen nach Gelnhausen. An der Stecke liegen Hungen, Nidda, Ranstadt und Stockheim. Von Stockheim aus erreicht man mit der Niddertalbahn Heldenberg, Bad Vilbel und Frankfurt.
Näheres über die Bahnstrecken in der Wetterau unter:
http://achristo.homepage.t-online.de/Wetterau.htm

Wasserkraft

Wasserrad Bad Nauheim
In der Wetterau haben sich einst die Einwohner die Wasserkraft zu Nutze gemacht. In vielen Orten existieren heute noch Wasserräder, die einst Mühlen und Pumpen antrieben. Am bekanntesten dürfte die Kurstadt Bad Nauheim mit seinen zwei Wasserrädern (in Bad Nauheim und Schwalheim) und den Salinen sein. Hier wurde einst Salz gewonnen. Heute sind die Salinen, sowie die Wasserräder, zur Erholung und Genesung für die Kurgäste gedacht. Salzwasser wird auf die Salinen gepumpt und tröpfelt langsam wieder herunter. Beim Einatmen salzhaltiger Luft werden die Atemwege befeuchtet, feinste Salzkristalle beeinflussen die Wandungen der Atemorgane positiv. Ähnliche Anlagen findet man in der östlichen Wetterau in dem Kurort Bad Salzhausen.

Die Wasserkraft wurde aber auch zum Mahlen von Getreide genutzt. In Nidda und Trais-Münzenberg zeugen heute die erhaltenen Wasserräder an den ehemaligen Mühlen noch von dieser Zeit. Die Wasserkraft wird aber auch noch heute genutzt: zur Stromerzeugung. So z.B. im Wasserkraftwerk in Ortenberg/Lißberg. Seit 1923 nutzt das Kraftwerk die 65 Meter Höhenunterschied zwischen den beiden Speicherbecken bei Hirzenhain bzw. Hillersbach und dem Maschinenhaus in Lißberg zur Gewinnung elektrischer Energie. Damit wurde seinerzeit die zu Hauptbelastungszeiten zu geringe Leistung des Braunkohle-Kraftwerks in Wölfersheim durch die Erzeugung von Spitzenstrom aus Wasserkraft unterstützt. Mit einer durchschnittlichen Jahreserzeugung von 3,7 Millionen Kilowattstunden ist die Lißberger Anlage das größte Speicherkraftwerk im Netzgebiet der OVAG (Oberhessische Versorgungsbetriebe AG) und in der gesamten Vogelsbergregion, gespeist aus dem natürlichen Zufluss von Nidder und Hillersbach. Um diese Jahresmenge zu produzieren, strömen rund 25 Millionen Kubikmeter Wasser durch die beiden Francis-Turbinen.

Windkraft

Windräder in der Wetterau
Noch lange nicht so alt wie die Nutzung der Wasserkraft sind die Windkraftanlagen in der Wetterau. Auf dem 214 Meter hohen "Honigberg" bei Florstadt-Stammheim und oberhalb von Nidderau-Erbstadt entstanden im Sommer 2002 zwei Windparks mit Leistungen von max. 1800 und 2800 kW. Die Windkraftanlagen vom Typ D4 und D6 der Lübecker DeWind AG haben eine Nabenhöhe von 70 Meter und Rotordurchmesser von bis zu 62 Meter. Die Anlagen erreichen ihre Nennleistung von je 600 bzw. 1000 Kilowatt bei einer Windgeschwindigkeit von 11,5 m/s. Eine solche Windkraftanlage hat ein Gewicht von über 100 Tonnen. Um dieses Gewicht zu tragen, wurden in den Fundamenten elf Tonnen Stahl und 170cbm Beton verarbeitet. Am 16. Oktober 2002 wurden die Anlagen, zu denen auch die Windparks bei Nidda-Fauerbach und Karben gehören, offiziell von der "red project management GmbH" (Tochterunternehmen des Mannheimer Energieunternehmens MVV Energie AG) in Betrieb genommen. Zusammen haben die Wetterauer Anlagen eine maximale Leistung von ca. neun Megawatt. Zwischenzeitlich sind bei Karben und Friedberg weitere große Windkraftanlagen entstanden. Sie sind bis zu 100 Meter hoch und haben eine Leistung von bis zu drei Megawatt.

Windmühlen gab es aber auch in der Wetterau. So wurden in Bad Nauheim bereits im 18. Jahrhundert neben den zurvor genannten Wasserrädern auch zwei Windmühlen zum Heben der Sole auf die Salinen benutzt. Die Türme der beiden Mühlen stehen übrigens heute noch und sind in der Nähe des Sprudelhofes und an der Saline am Feuerwehrstützpunkt zu finden.

Fliegerei

Flugplatz
Bekannt dürfte die Wetterau nicht zuletzt auch durch den Flugplatz Reichelsheim sein. Mit über 40.000 Flugbewegungen im Jahr zählt er als nördlicher Ausweichflugplatz für kleinere Flugzeuge für den Flughafen Rhein/Main. Neben mehreren Flugschulen und Werften ist hier auch ein Rettungshubschrauber stationiert. Im Jahr 2007 wurde die Landebahn des Flugplatzes ausgebaut. Ab und zu landen hier auf größere Maschinen und Prominente sind anzutreffen. Das Flugplatz-Restaurant "bordküche" mit Blick auf das Vorfeld ist ein beliebter Treffpunkt - nicht nur für Flieger.

Ein weiterer Flugplatz befindet sich etwas versteckt oberhalb von Bad Nauheim bei Ober Mörlen. In den 30er Jahren startete hier oben das erste Flugzeug. Es wird hauptsächlich Segelflugbetrieb auf der vorhandenen Grasbahn ausgeübt, aber auch Motorsegler und andere Maschinen sind zu sehen. Beliebt ist auch der alljährliche Flugtag, zu dem immer viel Publikum den Weg nach Ober Mörlen findet.

Im Nordosten der Wetterau findet man oberhalb zwischen Nidda und Geiß-Nidda den Segelflugplatz. Seit über 50 Jahren betreibt der Fliegersportklub Nidda hier "am Hermes" Segelflug. Zusammen mit dem Fliegersportclub Roter Milan e.V. teilt sich der FSK das Fluggelände.

Brunnen

Schwalheimer Brunnen
Die Wetterau gilt als eines der deutschen Zentren der Mineralbrunnen-Industrie. Rd. 15 % der in Deutschland geförderten Wässer stammen aus der Wetterau. Viele Mineralwasser kommen entweder aus Bad Nauheim, Rosbach oder Bad Vilbel. Luisen-Brunnen, Rosbacher Brunnen usw. sind sicher vielen ein Begriff. Aber auch kleinere Quellen bietet die Wetterau, wie z.B. die Sauerbrunnen bei Schwalheim (Bild), Staden und Karben. Doch gerade das etwas nach "faulen Eiern" riechende Wasser des Schwalheimer Brunnens ist nicht jedermanns Sache, das Wasser ist schwefelhaltig. Manchmal ist es so stark Kohlensäurehaltig, daß der Brunnen gesperrt werden muss, da sich "Kohlensäureseen" bei den Entnahmestellen bilden (=erstickende Wirkung). Der Sauerbrunnen in Staden hingegen führt manchmal so wenig Wasser, daß er versiegt. Führt die Nidda, die direkt am Brunnen vorbei fließt, Hochwasser, ist das Sauerbrunnenwasser meistens nicht genießbar. Etwas versteckter zwischen Groß-Karben und Burggräfenrode liegt der Ludwigsbrunnen. Er ist ein beliebter Zwischenstopp für Radfahrer.

Bauwerke

Burg Münzenberg
Auf einem Höhenrücken erhebt sich in der nördlichen Wetterau oberhalb von Münzenberg die gleichnamige Burg. "Wetterauer Tintenfass" nennen die Einheimischen die Burg. Die Herkunft ist einfach erklärt: Mit seinen beiden Türmen erinnert die Burg an ein riesiges Tintengeschirr mit Tinten- und Streusandgefäß, sehr gut zu sehen, wenn man die Autobahn A45 von Norden befährt und nach dem Gambacher Kreuz auf die Burgruine blickt. Die Burg, während der Regentschaft von Kaiser Friedrich I. "Barbarossa" um 1160 gebaut, ist mit ihren zwei gewaltigen Rundtürmen eine der größten deutschen Burganlagen und bildet heute unter den Burgen des hohen Mittelalters die bedeutendste neben der Wartburg. Ein Ausblick von dem noch zu besteigenden Turm der Burgruine auf die Wetterauer Landschaft, von Vogelsberg bis Taunus, bietet für den Besucher einen besonderen Reiz.

Glauberg
Weitere sehenswerte Bauwerke sind der 58m hohe Adolfsturm in Friedberg und der darunter liegende Burggarten, die 1159 eingeweihte Basilika in Ilbenstadt, das Römerkastell "Kapersburg" bei Rosbach, sowie die historische Altstadt in Büdingen und vieles mehr. In der östlichen Wetterau liegt nahe der Gemeinde Glauburg der 271m hohe Glauberg. Die historischen Ringwallanlagen mit eindrucksvollen Resten keltischer und mittelalterlichen Siedlungen zeugen von der Besiedlung und Befestigung bereits in der Mitte des 5. Jahrtausends v.Chr. Ende der 80er Jahre wurden am Südhang des Glauberges Spuren zweier riesiger Grabhügel entdeckt, die Mitte der 90er restauriert wurden (Bild). Sensationell war die Entdeckung einer lebensgroßen Steinfigur eines keltischen Kriegers. Diese Figur des "Keltenfürsten vom Glauberg" ist bislang der bedeutendste Fund keltischer Kultur in Hessen und kann im hessischen Landesmuseum in Darmstadt besichtigt werden. Eine Kopie der Figur steht im Wetteraumuseum in Friedberg und im "Museum und Forschungszentrum Keltenwelt", das am 5. Mai 2011 auf dem Glauberg eröffnet wurde.

Braunkohle

Braunkohletagebau
In der Wetterau, hier in der Horloffsenke, wurde in der Vergangenheit ein Vorkommen junger, vor über 15 Millionen Jahren in der Tertiärzeit gebildeter Braunkohlen wirtschaftlich abgebaut. Besonders im Raum Wölfersheim, Heuchelheim, Reichelsheim, Berstadt und Trais-Horloff fand ein Abbau der Braunkohle sowohl untertage als auch im Tagebau statt. Die Hauptförderperioden waren in den Jahren 1902 - 1991. Das Braunkohlevorkommen war in mehrere langgestreckte, schwach gemuldete Lagerstättenteile gegliedert, mit einer Gesamtlänge von 15 km und bauwürdigen Breiten von 300-600 m. Die Durchschnittsmächtigkeit betrug 9 m. Über der Braunkohle lagerte ein tonähnlicher Basaltersatz mit ca. 25 m Mächtigkeit, darüber eine 5 m mächtige Schicht aus Lehm und Lößlehm. In 30-40 m Teufe steht fester Basalt an. In den Tagebaubetrieben wurden bis zur Auskohlung 1991 über 44 Mio. Tonnen Braunkohle gefördert. Die geförderte Kohle wurde bis 1954 im Schwelkraftwerk, danach im Blockkraftwerk Wölfersheim der PREUSSAG in Strom umgewandelt. Die Leistung betrug zunächst 2 x 30 Megawatt und wurde nach Einstellung des Tiefbaus 1962 auf 124 Megawatt ausgebaut. Zwischen den Tagebauen Heuchelheim, Trais-Horloff und dem Kraftwerk existierte zum rationellen Transport eine Braunkohle-Transportbahn. Die Abraumbewegung im Tagebau betrug rund das 4,5fache der Braunkohleförderung. Alle ehemaligen Tagebau-Gruben wurden größtenteils zugeschüttet und rekultiviert, so ist für den Ortsfremden vom Tagebau zwischen Reichelsheim und Dorn-Assenheim beispielsweise nichts mehr zu sehen. Die jetzt vorhandenen Seen bei Bellersheim, Inheiden, Utphe, Wölfersheim und Dorn-Assenheim spiegeln noch einen Rest der großen Tagebaue wieder, an das Kraftwerk Wölfersheim erinnern nur noch die Überreste der Kühlanlage im Wölfersheimer See.

Rosen

Rosenfest
Drei Kilometer nord-östlich des bekannten Herzheilbades Bad Nauheim liegt der weit über die Grenzen der Wetterau hinaus bekannte Rosenort Steinfurth. Steinfurth hat heute als "hessische Rosenmetropole" eine beachtliche Stellung innerhalb der europäischen Rosenanbaugebiete inne. Jährlich werden etwa 45 Hektar Land neu mit Wildlingen bepflanzt, die nach zweijähriger intensiver und fachgerechter Kultur als Steinfurther Qualitätsrosen größtenteils über den Fachhandel an den Endverbraucher kommen. Der alljährliche Rosenanbau beträgt ca. vier Millionen Pflanzen und stellt in der deutschen Rosenproduktion einen sehr beachtlichen Faktor dar. Rosen aus Steinfurth stellen aufgrund ihrer besonderen Wachstumsbedingungen, begünstigt durch das hier vorherrschende Binnenklima, eine Qualitätsware dar, die allerorts, selbst unter ungünstigen klimatischen Bedingungen, freudig wächst und eine lange Lebensdauer verspricht.

Sehenswert ist das Steinfurther Rosenmuseum. Themen sind die Geschichte des Steinfurther Rosenanbaues und der Rosenfeste, aber auch die kulturgeschichtliche Bedeutung der Rose.

Rosenkönigin
Alle zwei Jahre findet das Rosenfest statt, dessen unbestrittener Höhepunkt der "Rosenkorso" durch die festlich geschmückten Strassen von Steinfurth ist. Der traditionelle Festzug lockt zu jeden Rosenfest Zehntausende von Besuchern an. Zur Ausschmückung der eindutzend großen Prunkwagen werden ca. 500.000 Rosenblüten verarbeitet. Gestaltet werden die Festwagen von den örtlichen Vereinen. Der aus ca. 70 Zugnummern bestehende Festzug wird durch viele Fußgruppen, Trachtengruppen, Musikkapellen und Spielmannszüge aufgelockert. Abends findet im Festzelt die Prämierung der Prunkwagen statt. Vom Festausschuss sind für die Vereine Preise ausgesetzt. Aus dem Publikum werden Preisrichter ausgewählt, die eine Bewertung der großen Prunkwagen vornehmen und - wie könnte es anders sein - für ihre Bewertung mit Rosen entlohnt werden. Zu jedem Rosenfest wird übrigens auch eine Rosenkönigin gewählt, die zwei Jahre bis zum nächsten Rosenfest in Steinfurth "regiert". Traditioneller Abschluss des Rosenfestes ist das große, weithin in der Wetterau sichtbare, Feuerwerk am Montag Abend.

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