Reichelsheim

Die Stadtmauer

Reichelsheim erhielt im Jahre 1665 vom Grafen Friedrich von Nassau-Weilburg im sogenannten 'Freiheitsbrief' die Stadtrechte. Bereits seit dem 15. Jahrhundert war Reichelsheimer allerdings schon ähnlich einer Stadt durch eine Mauer mit Graben, Wehrtürmen und Torbauten gesichert um die Reichelsheimer Bürger vor äußeren Angriffen zu schützen. Von ursprünglich sieben Wehrtürmen sind drei erhalten geblieben. Im Zusammenhang mit der Stadtverteidigung ist auch der Kirchturm der ev. Kirche aufgrund der Bauweise als Wehrturm anzusehen.

Friedhofsturm und Stadttor

Dieser rund 16 Meter hohe Rundtturm mit angrenzendem Spitzbogentor befindet sich im Kreuzungsbereich Kirchgasse/Obere Haingasse. Das fast vier Meter breite Tor bildet heute den Eingang zum Friedhof. Der Turm wurde 1420 erbaut und 1964 restauriert. Der heutige 'Friedhofsturm' trug bis Anfang der 1960er Jahre ein belegtes Storchennest, weshalb er manchmal auch noch 'Storchenturm' genannt wird. Der Turm hat auf der Ostseite einen Eingang in rund sieben Metern Höhe. Hier ist eine Decke eingezogen. In den unteren Teil des Turmes gelangt man nur durch eine Luke in der Decke. Der Zugang zum Turm war früher vermutlich über einen hölzernen Aufgang möglich.

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Blick vom Friedhof auf das Stadttor mit Storchenturm.

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Blick den Storchenturm hinauf. Ein Eingang befindet sich in rund sieben Metern Höhe.

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Ein altes Blechschild an der Ostseite des Turmes zeigt markante Daten.

Hexenturm

Ein weiterer Teil der ehemaligen Ortsbefestigung ist ein runder Wehrturm im Nordosten von Reichelsheim mit einem Richtung Süden anschließenden Mauerabschnitt in der Turmgasse. Der heute niedrigste Turm trug seit dem 19.Jahrhundert einen 'Turmhelm'. Er wurde 1954 abgerissen, da er marode geworden war. Der Turm hat auf der Straßenseite eine ebenerdige hölzerne Eingangstür.

Der Name 'Hexenturm' bezieht sich auf die Zeit der Hexenprozesse, die im 17. Jahrhundert auch in Reichelsheim stattfanden und hier mindestens 58 Opfer forderten. In diesem Turm sollen nach Überlieferung die wegen Hexerei und Zauberei angeklagten Personen während der Prozessdauer festgehalten worden sein. Auch der Reichelsheimer 'Hexenmeister' Hans Geiß soll hier eingesperrt gewesen ein.

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Der Hexenturm in der Turmgasse. Er ist heute dicht umbaut und war zum Zeitpunkt dieser Aufnahme mit Efeu bewachsen.

Wachturm und Stadtmauer

Einweiterer Rundturm steht im Südosten von Reichelsheim. Er ist nur von der Rossgasse aus bzw. von Süden aus zu sehen. Er steht auf einem landwirtschaftlichen Anwesen und ist nicht öffentlich zugänglich. Geht man die Rossgasse entlang so fällt auf, daß hier viele Scheuern auf Überresten der alten Stadtmauer aufgebaut sind. Die Mauer hat hier eine Dicke von 1,5 bis 2 Meter gehabt. Nach dem großen Brand im südlichen Reichelsheim 1665 wurden viele neue Gebäude direkt an der Stadtmauer errichtet und machten sich diese als Wand zunutze. Viele der Scheunen haben heute einen Durchbruch, so dass Fahrzeuge beispielsweise von der Neugasse her durch den Hof einfahren und durch die Rossgasse wieder ausfahren können.

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Südlicher Wehrturm an der Rossgasse.

Der Kirchturm

Aufgrund seiner Bauweise ist der Kirchturm, der um 1500 herum westlich vor das Kirchenschiff gesetzt wurde, als Wehrturm anzusehen. Steigt man die vielen Treppen und Leitern im Kirchturm durch den Glockenstuhl nach oben, so kann man in einer Höhe von rund 22 Metern den Rundgang um die achteckige Spitzhaube des Turmes begehen und hat von hier aus eine gute Aussicht über Reichelsheim und die umliegenden Felder.

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Blick von Westen auf dem Kirchturm.


Weiterführende Informationen finden sie hier.

Bilder: Alexander Hitz



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